Triumph und Erkenntnis

 

Triumph und Erkenntnis

"Ein Gebirge schrumpft schnell, wenn der Mensch sich in der Anwendung seiner technischen Möglichkeiten nicht bescheidet, wenn es ihm mehr um den Gipfeltriumph als um Selbsterkenntnis geht. Wer beim Bergsteigen sich nicht auf seine eigenen Kräfte verläßt, sondern Apparate und Drogen benutzt, betrügt sich selber, ja sein Selbst."
R. Messner



Unsere Gewichtskurve gleicht einem Gebirge. Nur daß wir sie auf den Kopf stellen müssen, um die Gipfel zu sehen, die wir betreten wollen.

Auch für uns gilt das Bescheiden als Voraussetzung für mehr als nur einen Gipfeltriumpf. Haben wir nichts anderes im Sinn, als auf Biegen und Brechen und egal durch welche "Diät" unser Gewichtsziel zu erreichen, erreichen wir in Wahrheit nichts. Wir lernen uns selbst nicht kennen. Wir sind hinterher nicht schlauer als zuvor. Wir wissen immer noch nicht, warum wir uns so schwer tun mit der Figur, dem Essen, dem Wohlfühlen.

Ein Triumph ohne Erkenntnis gleicht einer Erinnerung, die uns nichts hinterläßt als den brennenden Wunsch, sie noch einmal genießen zu können. Ein Lottogewinn, ausgegeben in wenigen Monaten des Überschwangs. Ein Rausch, der nie zurückkehren wird.

Die Diäten, die Muckibuden, die Appetitzügler und die Fettverbrenner, sie fachen die Strohfeuer unserer Abnehmerfolge an. Sie machen aus uns keine anderen Menschen. Keine glücklicheren Lebewesen. Sie machen uns nur dünn. Für ganz kurze Zeit.

Wenn wir wirklich "anders" sein wollen, brauchen wir Geduld. Die Erkenntnis, wo unsere Stärken und Schwächen angesiedelt sind. Müssen wir lernen, sie zu dosieren und zu bändigen. Ihnen den Raum geben, den sie verlangen, ohne uns von ihnen einnehmen zu lassen. Wir müssen dem Menschen nahe kommen, von dem wir uns am weitesten distanziert haben. Uns selbst.