Triumph

 

Triumph

Ich stamme aus einem Elternhaus, das mir ein unbeschwertes, sorgenfreies, bequemes Leben geboten hat.

Zwar lebten wir nicht im Überfluss und hatten auch mittlere bis schwere Katastrophen zu meistern, aber unsere Eltern waren immer in der Lage, unser Nest zu erhalten und uns die Überzeugung zu geben, dass nichts uns den Boden unter den Füßen rauben kann.

Mit dem Erwachsenwerden, dem Erlernen des eigenen Berufes, der Gründung der eigenen Familie und der Schaffung von Verpflichtungen, die die Eltern nun nicht mehr für mich übernehmen konnten, befiel mich, ohne dass ich es je gemerkt hätte, das Heimweh nach der alten Sorglosigkeit und Geborgenheit.

Immer ehrgeizigere Ziele setzte ich mir, immer mehr Verpflichtungen zogen diese nach sich, zusehends drohe ich heute im Treibsand meiner vielfältigen Strebungen zu versinken.

Kennen Sie „Kooyanisquatsi“? In diesem wortlosen Film reihen sich Bilderfolgen immer schneller und hektischer werdend wie irrsinnig aneinander, Menschenmassen wie Ameisenhaufen, in rasendem Tempo immer gleiche Bewegungsmuster vollführend, von ebenso rasender Musik unterlegt, dem Kinozuschauer platzt der Schädel, und dann ..........

Abbruch der Musik, Abbruch der Bewegung, das Bild: senkrechter Blick in die Straßenflucht zwischen gigantischen Hochhäusern, Atemstillstand, freier Fall, Befreiung, aber wir fallen nicht, wir atmen auf, wir sind in einer anderen Welt, haben den Ameisenhaufen verlassen.

Mein Kooyanisquatsi liegt in der Beantwortung der Frage: „Was ist es, das du wirklich willst“
Liefen die tausend möglichen Antworten jahrelang wie die immer schnelleren Ameisen durchs Bild, so brach urplötzlich die Musik ab und zeigte sich nur noch die Leere und Tiefe der Flucht:

Ich will mich nicht sorgen. Ich will das Bewusstsein, dass alles in Ordnung ist. Ich will meinen Frieden.
Dem bringe ich mich nicht näher durch ehrgeizige Ziele. Den erreiche ich durch Genügsamkeit, Bescheidenheit, Freude über das „Haben“ auf dem Konto meines Lebens, durch Dankbarkeit für jeden Atemzug und jeden Schluck Wasser.

Wir alle wollen über die Umstände triumphieren.

Aber niemand ändert die Umstände durch ehrgeizige Pläne und den Kampf gegen Windmühlen. Wer die Umstände beherrschen will, muss sich ihnen glücklich fügen.