Spinner

 

Spinner


"Wer zuviel denkt, wird in unserer Welt als "Spinner" verspottet.

Dabei sind "Spinner", in des Wortes ursprünglichem Sinn, Leute, die neue Fäden fabrizieren: nützliche Menschen. Der übertragene Sprachgebrauch aber macht den Ausdruck zu einer Pauschal-Beleidigung, indem er die "Spinner" den Geisteskranken zuordnet.

Irrt der Spinner, ist sein Einfall falsch, dann kann er nur noch den Kopf einziehen und in volle Deckung gehen. Er hat sich der Frechheit schuldig gemacht, etwas wissen zu wollen, was ihm noch nicht rechtens zugeteilt, zugemessen, zugestanden wurde. Er wird wie ein Küchendieb behandelt, der ungeschickt am Topf der Weisheit naschen wollte, statt brav auf seine Portion zu warten, wie der legendäre Hund, der dem Koch ein Ei stahl und sich dabei erwischen ließ.

Er wird zumindest mit Spott bestraft: Da hat sich einer was gedacht, haha - das Denken überlassen Sie den Pferden, die haben den grösseren Kopf! Dabei hat er nur eine ungeschickte und falsche Hypothese aufgestellt. Er hat zu denken versucht - und es liegt in der Natur der Gedanken, dass die meisten davon falsch sind ...

Der Mensch hat nicht zu raten, er hat zu wissen. Die hochmütige Abneigung gegen das "dumme Herumraten", das "Wachträumen" und "Spintisieren" geht nahtlos in die Verachtung über, mit der die seriöse Gelehrtenwelt unbewiesene Hypothesen zu betrafen pflegt.

Dass jeder Gedanke, auch der beste und treffendste, zunächst nur geahnt, geraten und spekulativ ist, leuchtet diesen Denkern nicht ein.

Sie wollen Wissen, Wissenschaft und Lehre um jeden Preis als reine, ewige und unwiderlegbare Wahrheit sehen, aus einem ehrbaren Motiv: weil sie den Irrtum hassen.

Aber damit verfallen sie einer besonderen Art von Schizophrenie: ohne Irrtümer gibt es keine Hypothesen, und ohne Hypothesen keine Lösung, und auf jede richtige kommen hundert falsche."

Sebastian Leitner


Wenn ihr unter diesem Aspekt manche meiner "Abnehmmethoden" betrachtet, kommt ihr vielleicht besser mit ihnen klar. Und wenn jeder, der das Abnehmen betreibt, sich selbst ein klein wenig zum "Spinner" entwickelt und der kopfschüttelnden Ernährungswissenschaft gelegentlich den Mittelfinger entgegenreckt, haben wir vielleicht alle irgendwann die Chance, aus der Tretmühle des Kalorienzählens und der anderen schon zur Weltanschauung erstarrten Abnehmglaubensbekenntnisse zu entfliehen.

Traut euch, in Bezug auf eure Figur eure eigenen Hypothesen aufzustellen und ihre Anwendbarkeit an euch selbst zu überprüfen. Setzt euch hinweg über die "Nichtspinner", die euch mit erhobenem Zeigefinger eure eigene Wahrheit beizubiegen versuchen. Hört aufmerksam zu, was sie zu sagen haben, denn vieles in ihren Äußerungen ist einwandfrei richtig. Aber spinnt weiter, wo sie einen Schlußstrich zu ziehen versuchen. Geht mit euren Gedanken hinaus über die Grenzen, die diese Kleingeister um ihre intellektuellen Königreiche ziehen.

Eure Fantasie ist grenzenlos. Und euer bestes Werkzeug.