November

 

17.11.07

Manchmal fühle ich mich wie ein Süchti. Nicht in der Art, an die man bei einem notorisch Übergewichtigen zuerst denken mag. Nicht süchtig nach Essen und Trinken, nach Völlerei und Unmässigkeit.

Ich bin süchtig nach dem Abnehmen. Es geht mir gut, sobald ich "dran" bin, sobald ich "unterwegs" bin. Es gibt den Tagen und Wochen einen roten Faden, dem Leben eine Struktur. Es ersetzt mir den Sinn, den ich in dieser irdischen Existenz nirgends zu finden vermag, der möglicherweise auch gar nicht existiert, den ein jeder sich aber in irgendeiner Form einbilden muss, um den Krempel nicht zu schmeissen.

Die einen reden sich einen Glauben ein, die anderen klammern sich wie Kletten an ihre Partner oder ihren Beruf, ein Hobby, eine Idee. Und mich kann man nicht geniessen, solange ich nicht mit den Kilos rumspinne.

Schlimm wäre es nur, wenn ich tatsächlich die Traumfigur erreichte. Was dann? Dann nehme ich wieder zu, denn sonst könnte ich ja nie wieder abnehmen. Klar doch. Oder ich finde eine neue Droge.


19.11.07

Erstaunlich, wie in den ersten Tagen wohlgesteuerten Nahrungskonsums die Kilos purzeln. Wie beim Anmarsch zu einem Achttausender. Bis ins Basislager gehts wie von selbst. Dann kommen die noch einigermassen leichten Abschnitte in die ersten Hochlager und dann wird der Weg täglich schwieriger. Mit unbekannten Hindernissen, dünner werdender Luft, Höhenkrankheiten, den ersten Blessuren. Tagelanges Eingeschneitsein, Langeweile, Hoffnungslosigkeit, der Gipfel rückt in unerreichbare Ferne, obwohl man ihm nie so nah war.

Ich mag diesen Vergleich mit den Bergen. Schlage jetzt mein Basislager im Talgrund auf.


26.11.07

Es fällt mir in keiner Weise schwer, wieder einzuschwenken in meinen "Abstieg" auf der Waage. Wie bereits erwähnt, ist das Wohlfühlen mit meinem Körper die Hintergrundfarbe meines gesamten Lebens. Ist sie grau, kann auch das lustigste Farbenspiel im Vordergrund das Gesamtbild nicht retten, ist sie stahlend gelborange, können sich ruhig ein paar dunkle Punkte des Alltags beimischen, ohne den guten Eindruck zu trüben.

Heute habe ich erfahren, dass "mein" Bioladen zum Jahresende schliessen wird. So leid mir das auch tut, es hat einen großen Vorteil: die Bioteilchen, denen ich so schwer widerstehen kann, lungern dann nicht mehr auf meinem täglichen Weg zum Briefkasten. Schade ist es aber allemal, dass die Vorreiter der Biokost von den immer grösser werdenden Bioabteilungen der Supermarktketten vertrieben werden. Die letzten Tante-Emma-Läden mit Schwätzchen und den neuesten Neuigkeiten aus dem Viertel gehen uns verloren. Selbst schuld, wenn wir uns 10 Cent durch den Kauf an anderen Orten sparen wollen.

Ich bin höchstwahrscheinlich bescheuert, aber eine gelungene Mahlzeit macht mich glücklich. Gelungen in dem Sinne, dass sie meinen eigenen ernährungstechnischen Vorgaben entspricht und mich sowohl satt als auch mit freiem Kopf für Arbeit und Unternehmungen wieder entlässt.


26.11.07

Die Aufläufe werden täglich besser. Welch geniale Art zu Kochen!

Gemüse vordünsten, Fleisch oder Fisch garen, Paprika, Tomaten, Champignons oder Zwiebeln nach Bedarf roh obenauf legen, Käse drüber und ab in den Ofen.
"Trennkost" in der schönsten Form, Sättigung garantiert.

Das heutige Menu (eins von dreien mit kleinen Variationen) wandert wieder in die Abteilung für Rezepte.

Kilos, zieht euch warm an (soweit ihr noch nicht erfroren seid).


27.11.07

"Ein steinreicher und stark liebesdurstiger Mann ist die leichteste Beute der Welt". Ungefähr so stehts bei Roald Dahl.

Ich war zwar nie steinreich, aber ich kann dem Gedanken durchaus folgen.