Juli

 

2.7.07

Ich lebe noch. Hab mich auch nicht wesentlich verändert.

Neben dem Abnehmen durfte ich in den vergangenen Monaten meine zweite grosse Leidenschaft wiederentdecken. Das Lernen. Mit Leitners Zettelkasten und einer guten Lehrerin geht das Spanisch zügig voran, liebäugele auch damit, mein Englisch zu perfektionieren und tausend andere Gebiete anzufangen, werd mich aber bremsen, sonst rutsche ich wieder in mein altes "Zuvielwollen" ab. Also, ein Thema, und das richtig.

Ansonsten ist die Welt recht bunt, viele helle und manch düstere Farben wechseln in mitunter rasender Folge ab. Der "Ernst" des Lebens macht sich für meinen Geschmack zu oft bemerkbar in diesem Jahr, aber immerhin wirken die schönen Tage vor diesem Hintergrund noch viel wärmer. Und es stimmt schon, die Menschen rücken in schlechten Zeiten enger zusammen, die, die noch da sind, finden wieder zueinander. Blöd, dass das nicht klappt, solange die Mannschaften noch vollzählig antreten können. Was wir aneinander haben, merken wir erst, wenn der Deckel drauf ist und die Stiefmütterchen gepflanzt sind.

Wer sich für meine Stimmung interessiert, kann hier mal reinhorchen:

http://video.google.de/

Bleibt mir gewogen, eines schönen Tages geht auf dieser Seite wieder die Post ab. Es fehlen ja noch ein paar Kilochen. Zu Demonstrationszwecken. Denn an sich kann ich mit mir so, wie ich heute aussehe, ganz gut leben.
Gewöhn mich langsam an mich selbst.


15.7.07

Seltsam. Wenn ich mit der Sportelei beginne, geht das Gewicht grundsätzlich nach oben, selbst bei unverändertem oder sogar deutlich "verbessertem" Essverhalten. Und nu komm mir keiner mit "da wachsen die Muskeln und die wiegen mehr als Fett". Klar nimmt die Muskelmasse in den Beinen langsam wieder zu, wenn ich eine halbe Alpentour hinlege, aber dann spannt der Gürtel um den Bauch nicht stärker als sonst, wenn die Beine kräftiger werden, oder?

Scheint eine höchstpersönliche Besonderheit zu sein. Als würde Freund Körper mehr "behalten" wollen als sonst. Er weiß ja nicht, was noch kommt. Werde nach einer Woche des täglichen Laufens jetzt Pausen einlegen, nur noch jeden 2. Tag rausgehen.

Denn auch der Hunger verändert sich. Normalerweise ist er an 3 von 4 Tagen völlig locker zu kontrollieren. An den Lauftagen sieht das anders aus. Nach dem Sport erst einmal nur Durst, ein paar Stunden später dann könnte ich drei Schränke leerfuttern. Und wenn keiner den vierten abschließt, ist der auch noch dran. Ist dann ein riesiges Loch im Bauch, das alles zu schlucken scheint. Es würde auch nichts helfen, vier oder fünf Salate mit Vollkornnudeln zu essen. Es bliebe immer noch ein starker Wunsch nach mehr. Den bekomme ich nur abgeschaltet, indem ich noch ein Eis oder Schokolade draufpacke, was ich ja nun gar nicht will.

Also, probier ich ein wenig rum. Ist sicherlich in den Griff zu kriegen, denn bis zum Herbst will ich meine Bergkondition haben, Gewicht an sich egal, aber ich will raufkommen auf die Hügelchen, und das in einem Rutsch.


25.7.07


Ich suche wieder einmal den "Einstieg". Das Umschalten aus der Zeit des Gewichthaltens in die Phase der weiteren Gewichtsverringerung. Und stosse dabei auf ein mir (und sicher den meisten Abnehmwilligen) nicht ganz unbekanntes Problem. Ich will zügige Veränderungen sehen.

Und wenn ich mit diesen Gedanken ein paar "gute" Tage hinlege, ist es auch schon wieder vorbei. Ich sehe das ferne Ziel, die kleinen Schritte, und dann kommt sie um die Ecke, die Mume Ungeduld. Sie packt mich nicht nur hinsichtlich des Abnehmprogramms, sie umarmt mich förmlich, verschlingt alles, was sie erblickt. Ich werde ungeduldig bei der Arbeit, beim Lernen, mit den Kindern und den Mitarbeitern - ich habe keine Geduld mit mir schütze die anderen vor. Alles geht zu langsam, nichts ist mehr gut genug. Um nicht alles zu versauen und mir letztendlich von meinen Mitmenschen den Vogel zeigen lassen zu müssen, trete ich auf die Bremse und stoppe mein Grundvorhaben, mehr instinktiv, als lebenserhaltende Massnahme.

Nein, so gehts nicht. Wie habe ich denn die 37 Kilo abgenommen? Mit nichts anderem als ein paar unscheinbaren, in keiner Weise schmerzhaften Veränderungen und einer fast dreijährigen Geduld mit mir selbst.

Ich schreibe das hier auf, weil ich mich selbst daran erinnern muss. Und hänge noch zwei Zitate an, die man vielleicht eher zum Auswendiglernen freigeben sollte als die Glocke oder den Zauberlehrling.


"Deine Geduld mit deinem Bruder ist deine Geduld mit dir selbst."

"Nur unendliche Geduld zeitigt sofortige Wirkungen."