Fressphasen

 

Fressphasen

Fressphasen sind wie Vulkanausbrüche.

Es entlädt sich ein gewaltiger Druck aus der Tiefe. Der Auswurf begräbt alles unter sich und bringt Tod und Verderben.

Ist der Ausbruch aber vorbei, beginnt das Leben intensiver zu gedeihen als zuvor. Der Boden, den er hinterlässt, ist reich an Nahrung und frei für neue Lebensformen.

Und unsere Eruptionen töten gar nichts, sofern wir uns nicht die Motivation von ihnen töten lassen. Sie lassen lediglich den Druck ab, den wir innerlich aufgebaut haben, und werfen uns auf der Waage ein paar Kilogramm zurück.

Wir sollten den Druck gar nicht so groß werden lassen.
Die „friedlichen“ unter den aktiven Vulkanen machen uns das vor: ihre Schlote sind offen, die Gase, deren Überdruck die verheerenden Ausbrüche verursachen, können regelmäßig entweichen wie die Kohlensäure aus einer Sprudelflasche. Es blubbert, ein wenig Magma fliegt durch die Gegend, jeder weiß davon und hält einen gebührenden Abstand, und nichts Schlimmes wird je passieren.

Verkleistern wir uns nicht den Schlot mit Verboten und Karenzen, der dadurch entstehende Überdruck wird immer nach Möglichkeiten suchen, sich zu entladen. Irgendwann wird es gewaltig krachen.

Aber nach jeder Fressphase weiß ich: Ich mache etwas falsch, sonst hätte es diese Explosion nicht gegeben. Und dann mache ich mich auf die Suche. Irgendwo muss ich eine meiner eigenen Vorschriften ändern, das ein oder andere Ventil schaffen.

Jede Fressphase ist ein wichtiger Hinweis. Ein Freund. Kein Feind.