Entscheidung

 

Entscheidung


Das Abnehmen ist im Grunde nur (dieses nur hätte ich in Anführungszeichen setzen sollen) eine Frage der Entscheidung.

Irgendwann habe ich mich, freiwillig oder durch das Übernehmen der Gewohnheiten anderer, dafür entschieden, eine bestimmte Lebens- und Ernährungsform anzuwenden. Weißmehl, Zucker, Alkohol, Fast Food, was auch immer - ich habe mich dafür entschieden, diese Dinge zu verzehren und ihren Verzehr zu geniessen, zu lieben.

Da es eine Entscheidung war, die falsche, steht es mir frei, mich anders, richtig zu entscheiden. Dies ist der berühmte "Klick", das Umschalten, von dem jedem Abnehmkandidaten gesagt wird, dass er eines Tages von selbst käme. Doch dann beginnen die Verwirrungen.

Ich balle die Fäuste, bekomme einen verkniffenen Gesichtsausdruck und sage mir "Von heute an werde ich diese falschen Dinge nicht mehr tun". Ich halte es eine mehr oder weniger lange Weile durch, doch im Hintergrund lauern geduldig die Legionen auf ihr Signal zum Angriff. Sobald sich meine Fäuste lockern, fallen sie über mich her in der aussichtsreichen Absicht, meine zarten Erfolge zu zertreten.

Hatte ich ihn denn wirklich, diesen "Klick"? Oder habe ich mir das nur eingebildet? Habe ich vielleicht nur unter dem Druck meiner Unförmigkeit und auf Befehl meines Verstandes die verleugnet, die ich eigentlich zu Freunden haben möchte? Die Eisbecher mit Sahne, die Torten, die Grillschlachten und die Saufgelage?

Nein, ich hatte meinen "Klick" noch nicht. Ich habe mich noch nicht entschieden, mit einer neuen Liebe den Bund fürs Leben zu schliessen. Wenn ich an meinem Schwarzbrot kaue, schwirrt mir die Pizza mit ihren blonden Käselocken im Kopf herum, ich mache mir etwas vor. Ich habe mich noch längst nicht entschieden.

"Schmacht" kann nur dann aufkommen, wenn ich das Gefühl habe, das, was ich will, nicht zu bekommen. Ihm nicht so nah sein zu dürfen, wie ich es gerne möchte. Das Ausrasten, das Danebentreten erhält dadurch sogar eine Rechtfertigung. "Es musste sein" oder, mit anderen Worten "Ich bin dafür nicht verantwortlich".

Solange ich den Wunsch habe, die wohlweisslich falschen Sachen in mich hineinzustopfen, kann ich mir sicher sein, mich noch nicht für etwas anderes entschieden zu haben, auch wenn die über lange Zeiträume geübte Selbstdisziplin diesen Eindruck zu vermitteln versucht.

Ich stehe immer noch am Anfang. Meine (Um-)Entscheidung wartet, getroffen zu werden.