Bergsteigen

 

Bergsteigen

Das Abnehmen lässt sich hervorragend mit dem Bergsteigen vergleichen. Ich führe die Vergleichsmöglichkeiten einfach einmal so an, wie sie mir einfallen:


Das Bergsteigen ist ein freiwilliger, in keiner Weise lebensnotwendiger Akt, den wir genauso gut sein lassen können, ohne unsere Lebensqualität entscheidend zu verringern.

Die meisten Ziele in den Bergen lassen sich allein mit Ausdauer und ein wenig Vernunft erreichen. Ein leidlich trainierter Postbote wird die Hälfte aller Alpengipfel besteigen können.

Wer es in den Bergen mit Geschwindigkeit statt mit Ausdauer angeht, wird zumeist scheitern.

Der Abbruch einer Tour, der Rückzug bei unvorhergesehenen Hinderungsgründen, ist kein Versagen, keine Schwäche, sondern lebensnotwendig.

Wenn es beim Bergsteigen nicht mehr weitergeht, hat man entweder die Grenze seiner Möglichkeiten erreicht, oder man hat sich verstiegen. Und dann heißt es absteigen, so weit, bis man eine neue Durchstiegsmöglichkeit erblickt.

Zu jedem Gipfel gibt es verschiedene Routen. So wie sich der ungeübte Bergsteiger gewiss für den leichten Normalweg entscheiden wird statt für die direkte Durchkletterung einer Steilwand, wird sich der normale Mensch immer für eine vernünftige Annäherung an seine Gewichtsprobleme entscheiden und nicht für eine riskante und schwierige Diät-Route.

Bergsteigen ist eines Rhythmus-Frage. Wenn du einen Rhythmus in die Bewegungen bekommst, dann geht es auch vorwärts. Mit abgehacktem Stop-and-Go kommst du nicht weiter, es sei denn, du hast eine sagenhafte Kondition.

Niemand bleibt auf dem Gipfel. Kein Bergsteiger ist böse, wenn er nach Erreichen des höchsten Punktes wieder absteigen muss. Ausnahmen gibt es, so sah ich einst einen Bericht über eine Besteigung des Dhaulagiri, bei der sich einer der Teilnehmer weigerte, den Gipfel wieder zu verlassen, und dort erfror. Der Abnehmende wird den Tiefpunkt seiner Gewichtskurve auch wieder verlassen müssen, das ist dann kein JOJO-Effekt, sondern etwas völlig natürliches. Anders als der Bergsteiger kann er sich aber in „Gipfelnähe“ ansiedeln.

Bergsteiger setzen sich realistische Ziele (sofern sie nicht spinnen). Bin ich in den Bergen geboren und von klein auf geklettert, darf ich vom Himalaya träumen. Bin ich aus dem Rheinland und komme nur in den Sommerferien in die Alpen, so ist jeder dort anzutreffende Gipfel für mich hoch genug.
Wiege ich 130 Kilo, so sind 100 Kilo für mich ein Traumziel. Nehme ich mir vor, 70 Kilo zu erreichen, so bin ich nicht vernünftiger als der Flachländer, der sich einer Expedition auf den Nanga Parbat anschließen möchte.