Abhängigkeit

 

Abhängigkeit

Unsere Gesellschaft baut mehr und mehr Abhängigkeiten auf, solche, die wir erkennen, und andere, anscheinend harmlose, getarnte, eigentlich doch nebensächliche.

Abhängigkeiten von der Bank, von der Versicherung, aber auch von ganz unscheinbaren Dingen: von Cola (gehört als Rostentferner in jede Werkstatt, aber nicht auf den Tisch), Kippen, Süßigkeiten, Computer, TV und Internet. Bei vielen folgt zum Schluss die vollkommene Ergebung in die Abhängigkeit: in den Rat vom Therapeuten, in die Tipps aus der „Frau mit Rückspiegel“, in die Vorschriften einer oder mehrer Diäten.

Abhängigkeit macht zwar unfrei, hat aber den großen Vorteil, dass wir die Schuld für jedes Versagen abschieben können: die Bank gibt mir keinen Kredit mehr, die Versicherung zahlt nicht, mein Therapeut hat versagt und die Diät taugt auch nichts.

Wenn ich mich selbst als voll und allein verantwortlich für mein Leben begreife, mache ich mich frei von all diesen Verkettungen. Wenn ich in Not bin, kann ich bei der Bank anfragen. Wenn ich mit meiner Gesundheit mal nicht selber zurande komme, hole ich den Rat (nicht den Befehl!) meines Behandlers ein, wenn ich eingeladen bin, ist eine Cola mal eine nette Abwechslung.

So wie ich mich von keiner Kirche, von keiner Partei, von keinem Arzt, keiner Bank und keiner Versicherung an die Leine legen lasse, so weise ich auch jede Diät als unerwünschte Fußfessel weit von mir. Ich mache mich nicht abhängig von den Ideen anderer, wenngleich ich sie mir mit Interesse anschaue und mir die Rosinen herauspicke, mit denen ich dann meinen eigenen Kuchen backe.